Regio Kunstpreisverleihung 2013

Colette Couleau: Kunst auf und mit Papier

Der 8. Zonta-Regio Kunstpreis 2012/2013 wurde am 3.März in feierlichem Rahmen im Haus Salmegg in Rheinfelden von den Zonta Clubs der Region an Colette Couleau überreicht. Ihr Thema "Kunst auf Papier" hat die Jury einstimmig begeistert.

Die in Basel wohnende Künstlerin erhielt neben dem Geldpreis von EURO 4'200  neu auch eine Ausstellung im Kunsthaus Salmegg in Badisch Rheinfelden. Die glückliche Preisträgerin ist eine kleine, zierliche, eher zurückhaltende und intellektuelle Künsterlin, die ihre ganze Kraft und ihre Gedanken auf oft grossen und starken Papierflächen zum Ausdruck bringt. 

Laudatio: Dr. phil. mag. theol. Giovanni Molinari 

Liebe Colette, liebe Zonta Damen, sehr geehrte Anwesende

Es ist mir eine Ehre und zugleich eine grosse Freude heute im Rahmen einer Preisverleihung ein paar Worte und Gedanken zu Colette Couleaus künstlerischem Schaffen an Sie zu richten.

Je länger man sich auf dieses Schaffen einlässt und es betrachtet, wird einem be­wusst, wie sehr Colette Couleau in einem ständigen Dialog mit sich selbst und ihrem Werk steht. Die Kunst soll nach ihr den Menschen dazu verhelfen zu sich selbst zu finden, seine eigene Ein­maligkeit zu entdecken.

Aber lassen wir Colette selbst sinngemäss zu Wort kommen:

„Meine Bilder sollen den Menschen zu seiner eigenen Identität und Einmaligkeit füh­ren. Ihm den Weg zu seiner Freiheit eröffnen. Eine Freiheit, die ihn in einen das Ka­tegoriale übersteigenden Prozess einmünden lässt“.

Die Suche nach dieser  Identität und Einmaligkeit wird uns in Colette Couleaus Wer­ken hautnah vor Augen geführt, man kann darin den von ihr bis jetzt began­ge­nen Weg, durch verschiedene Räume und Welten hin­durch, hin zu einer immer grösse­ren inneren Freiheit, entdecken, dieser Weg, der durch eine allgegenwärtige dialogi­sche Dynamik begleitet wird und den Beobachter selbst in ihren Bann zieht, ihn an­spornt, sich auf diesen Weg zu begeben.

Die durchschrittenen Etappen werden sozusagen von selbst, dank diesem inneren Dialog, erschaffen und in ihrer Vorläufigkeit schwarz  - weiss auf das  gleichsam in den Hintergrund tretende Papier gebracht, das so zum tragenden Element wird.

Aber lassen wir Colette nochmals zu Worte kommen:

„Das Schwarze ist das, was zu mir gehört, das mich zu meinem Innersten führt und den Weg öffnet zum Licht, das durch das Weiss versinnbildlicht wird. Dieses Licht, das bereits im Schwarzen, wenn auch noch verborgen, enthalten ist. Ich könnte das Licht nicht suchen, wenn ich nicht bereits von ihm ergriffen worden wäre“.

Colette Couleaus Kunst will apolitisch, d.h. frei von jeder Ideologie sein. Fern ist ihr der Gedanke den Menschen belehren oder gar in irgendeiner Form vereinnahmen zu wollen. Der Mensch wird durch das Betrachten ihrer Werke eingeladen, sich in Be­wegung zu setzen, seine innere Mitte zu finden, zum Wesentlichen vorzudringen, das abseits von allem Lärm, von aller Geschäftigkeit und Geschwätzigkeit liegt, er soll in sich hinein horchen und das be­redsame Schweigen entdecken, das ihm erlauben wird, die ihn umgebende Realität vom Stachel der vielschichtigen Abhän­gigkeiten zu befreien, um zu seiner Freiheit zu gelangen.

Colette Couleaus Werke führen uns so aus dem begrenzenden Bereich des Seien­den hinaus, hin zum Transzendentalen und somit in den Bereich des Philosophi­schen. Dort stellt sich angesichts der uns eingrenzenden Endlichkeit die Frage nach dem, was der Mensch ist, was er erkennen kann, was er tun soll und auf was er hof­fen darf und damit die Frage nach dem Sinn unseres Lebens.

Die Antwort darauf ist demnach, wie wir sehen können, ganz eng mit der Beant­wor­tung der Frage verknüpft, wie der Mensch zu seiner Freiheit gelangen kann, denn nur in der Beantwortung dieser Frage, kann sich der Mensch von seiner  Unfreiheit befreien, die im sich Binden an Endlichem und Begrenztem ihre Wurzeln hat. Die Unfreiheit, welche das menschliche Leben jeden Sinns beraubt und den Menschen zum Spielball von Zufälligem, zu einer Marionette werden lässt.

Wenn nun „die Bestimmung des Menschen“, um ein Werk Fichtes zu zitieren, die Freiheit ist, stellt sich für den Menschen die Frage, wie er zu ihr gelangen kann, wie diese Freiheit sich finden lässt. Und die Antwort kann nur lauten: Nur wenn er bereit ist, nur wenn er den Mut aufbringt, sich selber an etwas zu binden, dessen Bindung nicht Abhängigkeit, sondern Freiheit bedeutet. Wenn er sich an etwas binden lässt, des­­sen We­sen und Wille es ist, uneigennützig jeden Menschen an der Freiheit teil­haben lassen zu wollen. Und dieses Etwas kann nichts anderes sein als die Freiheit selbst.

Wie kann das geschehen?  Doch nur, wenn sich diese Freiheit, sich dem Menschen selbst offenbart, sich ihm im Endlichen, Begrenzten als solche zu erkennen gibt. 

Dieses Erkennen, das dem Menschen jedoch nur in dem Masse zuteilwird, wie es ihm gelingt, den sicheren aber doch begrenzten Bereich der Vernunft zu verlassen und als Hörender und Empfangender sich auf die Begegnung mit der Transzendenz einzulassen, wenn er bereit ist, in den Bereich des Spirituellen und Mystischen einzu­treten.

Indem er dies tut, tritt der Mensch in eine Beziehung zum Transzendenten ein und bindet sich gleichsam daran. Dabei macht er die Erfahrung, dass diese Bindung ihn nicht einschränkt, sondern im Gegenteil frei macht. Eine solche den Menschen frei­machende Bindung ist aber nur möglich, wenn diese von der Liebe getragen wird,  so dass  nur in einem liebenden Bezug, Freiheit geboren werden kann. Nur als Lie­bender werde ich frei. Die Liebe bildet somit die Grundlage für jedes freie und damit auch menschliche Handeln.

Ich glaube, dass Colette Couleau durch ihre Bilder uns helfen kann zu verstehen, dass wir zur Freiheit hin berufen sind, indem sie uns auffordert, uns auf den Weg zu begeben, das uns Begrenzende schrittweise aufzubrechen, der Enge zu entfliehen und unsere in der Liebe eingebettete Freiheit zu finden.

Colette, dafür danken wir dir alle!

3. März 2013                                                                         Dr. G. Molinari

Colette Coleau

Begrüssung durch Nicole Kurz,
ZC Südschwarzwald 

Laudatio Dr. Gianni Molinari

Preisverleihung durch
Danaé von Orelli (ZC Basel) und Linda Ludwig (ZC Bad Säckingen)

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